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Dienstag, 23. Februar 2016

Das Projekt "Science meets Dharma"

1998 ersuchte S.H. der Dalai Lama das Tibet-Institut Rikon (TIR) um Hilfe: Das TIR sollte erkunden, wie den Mönchen und Nonnen in den tibetischen Exilklöstern in Indien westliche Naturwissenschaft näher gebracht werden könnte. Aus dieser Idee ist das vom Tibet-Institut Rikon getragene Projekt "Science meets Dharma" (SmD) entstanden: "Wissenschaft begegnet buddhistischer Lehre".

In der Pionierphase des Projekts (2001 bis 2011) hat sich in acht Klöstern in Südindien bestätigt, dass der naturwissenschaftliche Unterricht machbar und fruchtbar ist. Dieser ist mittlerweile von S.H. dem Dalai Lama offiziell als Teil der buddhistischen Klosterreform bezeichnet worden. Im Prinzip haben deshalb alle tibetischen Exilklöster in Indien und Nepal beschlossen, dem naturwissenschaftlichen Unterricht für Mönche und Nonnen künftig einen festen Platz in der monastischen Ausbildung zuzuweisen.

Seit 2012 wird der naturwissenschaftliche Unterricht, der früher von SmD angeboten worden war, durch die Klöster in eigener Verantwortung organisiert und durchgeführt. Zu Beginn dieser Transferphase (2012 bis 2014) unterstützte "Science meets Dharma" die Klöster allerdings noch bei der Rekrutierung und Fortbildung lokaler Lehrkräfte. Weiter galten die SmD Anstrengungen damals der Ausbildung von Hilfslehrpersonen, aber auch der Ausarbeitung angepasster Curricula sowie der Bereitstellung von Lehrmaterial.

In der heutigen Konsolidierungsphase des Projekts (d.h. seit Beginn des Jahres 2015) konzentriert sich SmD auf die Erarbeitung eines naturwissenschaftlichen Curriculums, das nach dem Willen der tibetischen Exilregierung dereinst für alle Exilklöster Gültigkeit erlangen sollte. Ergänzend dazu bietet das Projekt heute (anstelle der früheren jährlichen Studienwochen in den Klöstern) sogenannte "Einführungskurse in das naturwissenschaftliche Denken" in jenen Klöstern an, die bisher keinen Naturwissenschaftsunterricht kannten und die sich erst auf die Einführung des Wissenschaftsunterrichts vorbereiten. Ihre Zahl wächst von Jahr zu Jahr.

Das Projektmanagement liegt in den Händen eines schweizerischen Projektleiters, welcher von einer tibetischen Beraterin sowie zwei erfahrenen tibetischen Geshes unterstützt wird.

 In der heutigen, hypermobilen Zeit werden interkulturelle Kontakte und gegenseitige Kenntnisse von Kulturen je länger, desto unentbehrlicher. So können für uns Einblicke in die buddhistischen Philosophien Tibets ebenso aufschlussreich sein, wie es für tibetische Mönche notwendig ist, einen Zugang zur westlichen Wissenschaftlichkeit zu erhalten. Die Initiative "Science meets Dharma" soll den tibetischen Weisen ein Tor zu unserer abendländischen Denkweise und unserem rationalen Umgang mit den Naturgesetzen öffnen. Wir erhoffen uns davon eine wertvolle und nachhaltige Befruchtung des west-östlichen Dialogs im Hinblick auf die Gestaltung unserer gemeinsamen Zukunft.

Winterthur, 22. November 2001
Professor Dr. Richard R. Ernst
Nobelpreis für Chemie 1991
 

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