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Freitag, 6. Januar 2012

Chinas Eisenbahn bringt immer mehr Touristen und Migranten nach Tibet

Tibeter fürchten Verlust ihrer Kultur und Identität

Chinas Eisenbahn hat 2011 mehr als 6,5 Millionen Reisende nach Tibet
befördert. Nach Angaben der Eisenbahngesellschaft "Qinghai-Tibet Railway
Company" nutzten vor allem chinesische Touristen und Migranten die 2006
eröffnete Bahnlinie. "Damit sind die schlimmsten Befürchtungen des Dalai
Lama und der Tibeter Realität geworden", sagte der GfbV-Asienreferent
Ulrich Delius am Freitag in Göttingen. "Noch nie zuvor haben in einem Jahr
so viele Menschen aus anderen Regionen Chinas Tibet besucht. Doch
profitiert haben Tibeter kaum von der Bahn, da sich hunderttausende Han-
Chinesen seit dem Bau der Bahnstrecke in Tibet niederließen und dort auch
den Tourismus kontrollieren." Die Tibeter hatten schon vor der Eröffnung
der umstrittenen 1.596 Kilometer langen Bahnverbindung von Golmud nach
Lhasa davor gewarnt, dass sie noch mehr kulturelle Entwurzelung und
Einwanderung von Han-Chinesen zur Folge haben werde.

Allein in Lhasa ließen sich mehr als 200.000 Han-Chinesen nieder. Die
früher einmal 50.000 Einwohner zählende alte Hauptstadt Tibets ist heute
weitgehend chinesisch geprägt. Die meisten der chinesischen Urlauber, die
nach Tibet kommen, nutzen Hotels, Restaurants, Unterhaltungslokale und
Bordelle, die Han-Chinesen gehören. Sie erscheinen ihnen weniger fremd
und garantieren einen Urlaub in nicht ganz ungewohnter Umgebung.
Chinesische Hotel- und Restaurant-Besitzer bevorzugen wiederum Han-
Chinesen als Arbeitnehmer, so dass Tibeter bei der Arbeitsplatzvergabe
benachteiligt werden.

Die Zahl der Reisenden auf der Bahnstrecke, die von den Konstrukteuren
als technisches Wunderwerk gelobt wird, hat 2011 im Vergleich zum Vorjahr
um neun Prozent zugenommen. 2012 will die chinesische Bahn sogar 6,9
Millionen Menschen nach Tibet befördern. "Für die Tibeter sind diese
Zahlen sehr Besorgnis erregend, denn sie bedeuten einen weiteren
Ausverkauf ihrer Heimat und ihrer Ressourcen", warnte Delius. Denn die
Bahn transportiert auch 40 Millionen Tonnen Güter im Jahr. Dies sind nicht
nur Waren aus den großen industriellen Zentren im Osten Chinas, die in
Tibet verkauft werden sollen, sondern auch hunderttausende Tonnen Erze,
die in Tibet von chinesischen Firmen gefördert wurden. Entlang der
Bahnstrecke boomt die Erschließung neuer Bergwerke, weil nun auch aus
den Hochebenen Tibets kostbare Mineralien(z.B. Gold, Lithium, Kupfer)
abgebaut und schnell in die großen Industriezentren Chinas transportiert
werden können. Die Expansion der Bergwerke hat katastrophale Folgen für
Tibets Umwelt sowie für die traditionelle Nomadengesellschaft.

Der von der chinesischen Regierung betriebene Raubbau und die
Kolonisation Tibets werden noch weiter zunehmen, da die Bahnlinie bis
2015 um 253 Kilometer bis nach Shigatse verlängert wird. Von dort sollen
noch weitere Strecken nach Nepal und Sikkim fortgeführt werden.

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